Vom TV zum Web 2.0 – Warum Medienkompetenz heute so schwierig ist

28.04.2010 | 2 Kommentare | Gepostet in Allgemein, Medienkompetenz

Medienkompetenz bestand früher aus dem verantwortlichen Umgang mit dem Fernsehen, Radio und Drucksachen. All das ließ sich relativ gut kontrollieren. Die Eltern waren in der Lage, ihre Kinder im verantwortungsbewussten Umgang und Nutzung zu erziehen. In den späten 80er hielten dann PC und Videospiele Einzug in die Haushalte. Eltern machten zusammen mit ihren Kindern die ersten Schritte oder erzogen die Kinder mit Sätzen wie „Aber mach’ nicht so lang!“ und „Aber keine Schießspiele!“.

Mitte der 90er eroberte das Internet die Welt, zunächst Hochschulen und Unternehmen. Folglich war das Internet zu Beginn auf Information und Übermittlung von Daten ausgelegt. Für Kinder und Jugendliche und die Medienerziehung spielte das Internet also kaum eine Rolle.

Unter dem Schlagwort Web 2.0 wandelt sich das Internet zum Freizeitmedium für Spiel, Unterhaltung und die Pflege sozialer Kontakte. Kinder, die seit Mitte der 90er geboren werden, wachsen als „Digital Natives“ auf. Sie binden die digitalen Medien von Beginn an spielerisch in ihr Leben ein, sind offen für neue Anwendungen und ohne Berührungsängste.

“Mediengestaltung” ist nach der Theorie des Erziehungswissenschaftlers Dieter Baacke eine der vier Dimensionen der Medienkompetenz. Dazu zählt er kreative Anstrengungen, die über die alltäglichen Kommunikationsroutinen hinausgehen. Die “Digital Natives” sind die erste Generation, bei der die Kinder in der Mediengestaltung ihren Eltern voraus sind. Ob bei TV, Radio oder Print: Kinder und Jugendliche sind bislang gar nicht in der Lage gewesen, diese Medien zumindest ohne Hilfe von Erwachsenen zu gestalten.

Heute ist es für Kinder kein Problem, Webseiten zu gestalten, Videos oder Podcasts zu veröffentlichen. Zugleich fehlt ihnen jedoch häufig, das Bewusstsein für die Tragweite ihrer Handlungen. Sie sind nicht in der Lage etwaige Folgen eines Blogpostings, eines veröffentlichten Fotos in Facebook oder eines Gesprächs in einem Chat zu reflektieren. Damit fehlen ihnen wesentliche Elemente der Medienkritik, einer anderen Dimension der Medienkompetenz.

Dieses Spannungsfeld zwischen technischem Können aber fehlender Medienreife macht Medienkompetenz heute zu einem so schwierigen Thema.

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